Vermögensaufbau und -erhalt

11. Mai 2020
Maik Lehradt
Vermögensaufbau und -erhalt
Vermögensaufbau und Vermögenserhalt mit Sachwerten

1. Einleitung
2. Grundlagen (Inflation und Wirtschaftswachstum)
3. Vermögensaufbau und -erhalt

1. Einleitung

Es ist wieder soweit. Gerade in unruhigen Zeiten (Corona-Shutdown) rückt das Interesse am Vermögensaufbau und -erhalt in den Vordergrund.

Es ist die Hochkonjunktur für Finanzexperten die in allen Medien mit ihrer Sichtweise sich Gehör verschaffen. Die einen schreiben vom Ende der Wirtschaft wie wir sie kennen, die anderen vom Grundstein für den nächsten Aufschwung. Und genau da beginne ich zu zweifeln. Ich glaube das keiner der Experten wirklich frei (objektiv) ist. Sei es durch seine Prägung (Ausbildung) oder das eigene Vermögen. Auch Finanzexperten haben eine favorisierte Strategie  und werden diese mit Sicherheit vertreten.

Doch was tun? Mit diesem Blogbeitrag möchte ich meine Sichtweise und Strategie aufzeigen. Das Ziel: Vermögensaufbau und -erhalt mit wenig Aufwand.
Ich möchte ruhig schlafen können, ohne mich um mein Erspartes sorgen zu müssen.

Als Haftungsausschluss (Disclaimer): Dieser Beitrag ist meine eigene Meinung und somit keine Kauf- und Verkaufsempfehlung in irgendeine Richtung.

2. Grundlagen (Inflation und Wirtschaftswachstum)

In diesem Kapitel werde, ich stark vereinfacht, zwei Faktoren vorstellen, die Einfluss auf meine Strategie haben.

Wie schon erwähnt: Wenig Aufwand und ein ruhiger Schlaf ist mein Ziel.

Der Aufbau

Es erscheint mir nicht zielführend, als Privatperson, in die tiefsten Abgründe eines Themas abzutauchen. Ich habe weder die Zeit noch Motivation um, neben dem heute schon recht komplexen Leben, zusätzlich noch für mein Erspartes zu studieren. Ein Beispiel gefällig? Der Begriff:

Geld

Schon allein das Thema Geld wird durch eine eigene Disziplin (Geldtheorie) in der Volkswirtschaftslehre abgebildet.
Geld als gedeckt oder ungedecktes Tauschmittel (FIAT-Geld), Deflation und Inflation, um mal drei Begriffe zu nennen mit denen man sich, nur zum Thema Geld, stundenlang befassen könnte.

Ich versuche, aus einer übergeordneten Perspektive, die Prozesse zu erkennen und zu vereinfachen. Das ermöglicht mir die Verstrickung im Kleinen zu vermeiden. Aus diesem Grund werden hier viele Aspekte nur oberflächlich dargestellt.

Im weiteren Verlauf werden jedoch Begriffe auftauchen, die meiner Meinung nach eine detailliertere Betrachtung erfordern. Um dennoch die Übersicht zu erhalten, werde ich diese mit Hilfe der Akkordeon-Funktion ein- und ausklappbar formatieren.

Kommen wir jetzt zu den zwei Faktoren, die auf meine Strategie (zum entspannten Vermögensaufbau) den stärksten Einfluss haben. Zum einen glaube ich, dass wir auch weiterhin mit Inflation leben werden.  Zum anderen gehe ich von einem langfristigen Wirtschaftswachstum aus.

Inflation (Wahrscheinlicher als Deflation)

Die Folge von Inflation ist die Teuerung von Sachwerten, Dienstleistungen und Waren. Ich bekomme also weniger Waren für mein Erspartes.

Wer ist Nutznießer und wer Verlierer von Inflation?
In unserem Wirtschaftssystem sind Staaten die größten Schuldner.

  • Nutznießer der Inflation sind Schuldner, vorausgesetzt ihre Einnahmen steigen ebenfalls Inflation ausgleichend.
  • Als institutioneller Großschuldner sind somit Staaten daran interessiert, eine stete Inflation aufrecht zu erhalten. Hier als Beispiel genannt, Inflation ausgleichende Steigerung der Einnahmen durch kalte Progression.
  • Soweit ich weiß, ist Inflation das erklärte Ziel der Zentralbanken.

Aus der übergeordneten Perspektive betrachtet ergibt sich für mich folgendes Bild.

Die Weltwirtschaft ist Schwankungen unterworfen. Sei es durch Konjunkturzyklen, Pandemien oder auch (Wirtschafts-)Kriege. Es kann dabei zwar zu deflationären Phasen kommen. Jedoch solang wir in diesem System leben, in dem die größten (und mächtigsten) Schuldner auf Inflation angewiesen sind, solange wird alles versucht das FIAT-Geld zu entwerten.

Wirtschaftswachstum (Wirtschaft wächst langfristig weiter)

Es leben über 7 Mrd. Menschen auf der Erde.

Ich habe mal in einem Artikel gelesen, dass nur 15% der Menschen in Wohlstand leben. Darin war das Wort Wohlstand mit einem Dach über dem Kopf, einem Kühlschrank mit Essen und etwas Bargeld definiert.

Von der übergeordneten Perspektive ausgehend, bin ich fest davon überzeugt, dass 85% der Menschen das Ziel haben diesen Wohlstand zu erreichen. Das ist das Potential für die Wirtschaft, auch weiterhin zu wachsen.

Selbst wenn es irgendwann mal einen grundlegenden Systemwechsel geben sollte, weg von der Zins getriebenen Wirtschaft zu Einer ohne Inflation, so glaube ich, dass das Wirtschaftswachstum noch eine treibende Kraft sein wird.

Zusammenfassung (Grundlagen)

Um nicht zu viel aus dem dritten Abschnitt vorweg zu nehmen, nur eine kurze Zusammenfassung der Grundlagen. Ich gehe davon aus, dass auch zukünftig das FIAT-Geld durch Inflation entwertet wird. Weiterhin glaube ich, dass durch ein langfristiges Wirtschaftswachstum die Chance besteht, angespartes Vermögen vor der Entwertung zu bewahren.

3. Vermögensaufbau und -erhalt

Das dritte und letzte Kapitel meines Beitrags. Wenn Sie bis hier dabei geblieben sind, dann bedanke ich mich schon mal für Ihre Aufmerksamkeit. Mit den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte wird es jetzt etwas umfangreicher. Daher habe ich dieses Kapitel in folgende Abschnitte gegliedert:

Ausgaben und Einnahmen (zum schnelleren Vermögensaufbau)

Braucht es jetzt ein großes Einkommen, um sich ein erhaltenswertes Vermögen aufzubauen? Zwei Punkte als Anstoß:

Weniger Ausgaben als Einnahmen ergibt ein positives Delta
Umso größer dieses Delta, umso mehr Spielraum zum Vermögensaufbau

Ein fiktives Beispiel:

Beispiel

Person A verdient Netto 3.000€ und hat mit seinem Lebensstil Ausgaben von 2.500€. Sein Delta beträgt monatlich 500€.

Person B verdient Netto 2.000 € bei Ausgaben von 1.300€. Macht ein Delta von monatlich 700€.

Trotz deutlich geringerem Einkommen in diesem Beispiel, hat Person B eine 40% höhere Möglichkeit ihr Vermögen zu steigern als Person A.

Im ersten Schritt ein Blick auf die Ausgabenseite:

  • In günstigere Verträge wechseln (Versicherungen, Smartphone, Strom usw.).
  • Wechsel zu einer Direkt- oder Onlinebank ohne Kontoführungsgebühren.
  • Immobilienkauf statt Miete?
  • Kleineres Kfz (Reduzierung der Unterhaltskosten)
  • Den Kauf teurer Güter prüfen (Brauch ich es wirklich?, Wie oft im Jahr nutze ich es?, Wäre es günstiger zu Leihen/Mieten?).

Der zweite (schwierigere) Schritt ist es die Einnahmeseite zu erhöhen:

  • Gehaltsverhandlung, Jobwechsel oder Weiterbildungen.
  • Ersparte Barmittel gewinnbringend anlegen. Beispielsweise auf Tagesgeldkonto, Sparbücher oder in Sachwerte wie Unternehmensbeteiligungen.

Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel Geld (schnell verfügbare Rücklage)

Wie im Abschnitt Grundlagen ersichtlich ist: ich bin mir sicher, FIAT-Geld wird auch zukünftig durch gewollte Inflation entwertet.

Trotzdem benötigen wir Barmittel (Cash, Giro- und Tagesgeldkonto) für den täglichen Gebrauch und, im Sinne von ruhig schlafen können, als Rücklage für unvorhergesehene Ausgaben oder Einnahmeausfällen.

Da mir das Wertaufbewahrungsmittel Geld, aufgrund von Inflation, nicht geeignet erscheint Vermögen zu erhalten, gilt es mit anderen Möglichkeiten das Vermögen über der schnell verfügbaren Rücklage hinaus vor der Entwertung zu schützen.

Rücklage

Eine schnell verfügbare Rücklage für unvorhergesehen Einnahmeausfälle oder Ausgaben wie neue Elektrogeräte (TV, Kühlschrank) oder Feiern und andere erfreuliche Ereignisse (runde Geburtstage, Geburt usw.) .

Wie viel Rücklage?

Darüber habe ich in den letzten Jahre verschiedenste Angaben gelesen. Zusammengefasst empfehlen Finanzexperten oft Rücklagen von 3 bis 6 Monatsgehältern.

Mir persönlich erscheint es etwas gering. Mit wie viel Rücklage können Sie ruhig schlafen?

Sachwerte (zum Vermögenserhalt und Vermögensaufbau)

Im Gegensatz zum von Entwertung bedrohtem FIAT-Geld gibt es Sachwerte die sich mal mehr und mal weniger als Inflationsschutz eignen bzw. beim Vermögensaufbau helfen.

Das meiner Meinung nach Wichtigste ist es, nur in solche Sachwerte zu investieren die man versteht. Sachwerte die einen ruhig schlafen lassen (Risikoaversion). Dazu gehört es auch, dass man ein grundsätzliches Verständnis darüber hat oder erwirbt.

Ich habe dazu verschiedene Sachwerte in folgende Kategorien eingeteilt:

weniger geeignet

In diese Kategorie gehören, aus meiner Sicht,  Sachwerte wie Schmuck, Kunst, Wein, Oldtimer, fest verzinste Anleihen (Inflation würde diese entwerten), verschiedene Rohstoffanlagen (Papier), physisches Gold sowie Kryptowährungen. Sie benötigen ein spezielles Fachwissen, sind zum Teil stark von konjunkturellen Einflüssen geprägt oder erfordern spezielle Ressourcen wie Lagerraum und Schließfächer.

Kryptowährung

Ein paar Worte zur Kryptowährung.

Grundsätzlich denke ich, dass die Technologie (Blockchain) eine große Chance für die Zukunft bietet. Unternehmen, Institutionen oder auch Staaten die diese Technologie anwenden können werden damit sicherlich einen positiven Mehrwert erschaffen.

Ganz anders sehe ich die Kryptowährung. Bei der Recherche, dem Versuch es zu verstehen, bin ich an meine Grenzen gestoßen. Wie generiert eine Kryptowährung ihren Wert (innerer Wert). Eine künstliche Begrenzung wie die maximale Anzahl lässt sich leicht durch Skalierung nach oben und unten aushebeln. Aus meiner Sicht eine Möglichkeit steuernd Inflation/Deflation durch anpassen der Programmierung zu bewirken.

Kryptowährungen lassen sich aus meiner Sicht in zwei Kategorien einteilen:

staatliche Kryptowährung (Ersatz für FIAT-Geld?)

Währungen benötigen wohl eine stattliche Legitimation. Jetzt stell ich mir die simple Frage, was ist die Währung im Vergleich zum FIAT-Geld wert? Da "sich verschuldende Staaten" auf Inflation angewiesen sind, wird es bei staatlichen Kryptowährungen auf Inflation hinaus laufen. Die eigentliche Idee eines dezentralen Geldmittels ist damit jedoch vorbei.

nicht staatliche Kryptowährung (Krisensicheres Wertmittel - Ersatz für Gold?)

Bei nicht staatlichen Kryptowährungen (dezentral) stellt ich nun die Frage, wer hat da die Kontrolle (der Gründer?). Da es nicht im Interesse des Staates sein kann, auf Inflation zu verzichten und einen Kryptowährungsgründer mal richtig reich zu machen, wird wohl keine der existierenden nicht staatlichen Kryptowährungen je als stattlich anerkanntes Zahlungsmittel hergenommen. Stattdessen bleibt aus meiner Sicht nur die Chance, ähnlich wie Gold, als Ersatzmittel zu funktionieren.

Das große Risiko

Es scheint mir, dass Kryptowährungen (diejenigen die ich mir angesehen habe) alle eines gemeinsam haben. Sie wirken auf mich wie ein Schneeballsystem:

0. der Gründer: Er hält einen großen Anteil an seiner Währung.

1. Welle: Mit Hilfe von Institutionen, großen Konzernen/Banken wird versucht eine breite Basis aufzustellen, und das Mining/Farmen usw gestartet.

2. Welle: anschließen wird die Kryptowährung dem Markt der Privatanleger geöffnet. Es wird die Werbetrommel gerührt, um die ersten Interessenten zu gewinnen. Um mit der Spekulation etwas zu gewinnen benötigt es nun eine weitere Welle. Mit Hilfe von Charts können riesige Kursgewinne werbewirksam eingesetzt werden.

3. Welle: Jetzt wird es spannend. Ist die Gemeinde um die Kryptowährung in der Lage diese an eine 3. Generation von Spekulanten, den einfachen Anleger weiter zu geben? Wird es vielleicht noch eine 4. Welle geben? Die Gefahr ist jetzt groß, dass sich keine neuen Anleger, kein neues Geld akquirieren lässt. Und damit könnte das System (Pyramide, Kartenhaus usw.) in sich zusammenfallen.


Zusammenfassend: Mit meinem Versuch mich einzulesen, einen Inneren Wert und nachvollziehbare Gründe für eine nachhaltige Wertsteigerung zu erkennen, bin ich gescheitert. Vielleicht folgt zukünftig ein Update mit einem positiveren Licht. Doch so lang, lasse ich die Finger davon.

Papiergold und andere Rohstoffanlageprodukte

In letzter Zeit sind Finanzexperten wieder fleißig dabei Gold als Absicherung des eigenen Vermögens zu bewerben. Gleichzeitig gibt es die Möglichkeit mittels Anlageprodukten aus Papier in die verschiedenen Rohstoffe zu investieren und damit zu spekulieren. Zwei Punkte, warum ich denke, dass diese Anlageprodukte nicht geeignet sind um sein Vermögen zu erhalten bzw. aufzubauen.

  • Es gibt keine Garantie den Rohstoff dafür zu bekommen (Papier-Gold). Fragen Sie sich einmal was mit dem Wert des Papiers passiert, wenn mehr Anleger es in physisches Gold eintauschen wollen. Wenn die Verfügbarkeit des physischen Goldes, aus Gründen wie "Mehr Papier-Gold als physisch Vorhanden" oder "physisches Gold politisch Verboten" eingeschränkt ist.
  • Oder die Spekulation mit Terminkontrakten. Wenn Spekulanten Papiere halten deren Laufzeit endet. Wie zuletzt mit dem Öl geschehen. Der Minuspreis kam zustande, dass ein Spekulant Papiere hielt die kurz vor der Auslieferung des physischen Öl's standen. Dumm wenn man keinen Lagerplatz dafür hat.

Für mich gilt, nur in Produkte zu investieren, die ich verstehe. Bei denen man Risiken und Chancen erkennen kann in dem man sich mit ihnen auseinander setzt. Nur so kann ich ruhigen Gewissens das Vermögen darin investieren und liegen lassen.

bedingt geeignet

Meiner Meinung nach ist die Immobilie nur bedingt geeignet.

Auf der einen Seite zum selbst genutztes Immobilie kann man damit seine eigene Ausgabenseite optimieren. Vorausgesetzt man zahlt langfristig gesehen weniger Für den Kaufpreis, Kreditzins, Grundstückssteuer, Versicherungen sowie Sanierung und Instandhaltung. Es ist auch möglich damit Gewinn zu erzielen. Veräußerung der Immobilie in wirtschaftlich guten Zeiten.

Auf der anderen Seite muss man sich vor Eingriffen des Staates vorsehen. Man denke hierbei an Sondersteuern oder Zwangshypotheken oder die Grundstückssteuerreform.


Riskanter ist die Immobilie als Rendite-Objekt. Ich finde es wahrscheinlich, dass bei starker Inflation die steigenden Kosten des Unterhalts nicht im gleichen Maße an die Mieter (Mietpreisbremse) weitergegeben werden können. Ein weiteres Risiko bei Rendite-Objekten (Es gibt viele Anlageprodukte für Betongold) ist der aus konjunkturellen Gründen wegfallende Mieter.

geeignet

Die Unternehmensbeteiligung

Auch wenn diese durch Konjunkturzyklen und der Marktpsychologie teils starken Schwankungen unterworfen sind, sehe ich hier die größten Chancen für den Vermögenserhalt (Inflationsausgleich ) und gleichzeitig Vermögensaufbau durch langfristiges Wirtschaftswachstum.

  • Ich gehe davon aus, das es im Interesse jeder Unternehmensführung ist, das beste für sich, seiner Belegschaft und seinen Geldgebern (Banken, Aktionären) zu erreichen (Wachstum und Dividende).
  • Bei Inflation steigen die Ausgaben des Unternehmens. Gleichzeitig wird dies an die Kunden weitergegeben (Inflationsausgleich).
  • Die Möglichkeiten der Beteiligung sind unter anderem Aktien, Fonds oder ETF (Fond der einen gesamten Index Bsp. DOW oder DAX nachbildet).

Auch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Unternehmensbeteiligungen haben mal mehr und mal weniger Risiken. Diese gilt es zu vergleichen und im Sinne von „ich will ruhig schlafen und wenig Aufwand“ das beste Anlageprodukt für sich auszuwählen.

Eine mögliche Strategie (Altersvorsorge)

Politiker werden nicht müde zu wiederholen, dass jeder für sein späteres Auskommen vorsorgen muss.

Ich denke das mit dem derzeitigen Rentensystem heute niemand mehr guten Gewissens ein gutes Auskommen mit der angesparten Rente garantieren würde.  An diesem Punkt möchte ich mit meiner Strategie ansetzen.

Doch zuerst mal zu den beiden Begriffen:

Rentensystem

Die drei Säulen unseres Rentensystems:

  • Die erste Säule des Rentensystems besteht aus der gesetzliche Rentenversicherung oder vergleichbarer Berufsständischen Rentenversicherungen.
  • Die zweite Säule besteht aus den Betriebsrenten. Hier hat man aus meiner Sicht wenig Einflussmöglichkeiten.
  • Die dritte Säule besteht aus der privaten Vorsorge. Ich bin kein Fan von Riester- oder Rürup-Renten. Die internen Kosten und die mangelnde Möglichkeit der Einflussnahme machen diese Varianten für mich unattraktiv.

Rente

Ich habe mal gelesen, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in seinem Arbeitsleben für ca. 7 Jahre Rente aufbaut.

Darüber hinaus müssen die Renten durch Zuschüsse des Bundes (Steuergeld) ausgeglichen werden. Mit unserer alternden Gesellschaft bei der immer mehr Menschen länger Rente empfangen als eingezahlt wurde und immer weniger Kindern pro Familie droht das Rentensystem zu kippen.

Als Beispiel zwei Zahlen vom statistischen Bundesamt:
2006 musste der Bund mit über 54 Mrd €uro Steuergeld die Rentenkasse ausgleichen.
2015 waren es bereits über 62 Mrd €uro.

Meine Strategie beinhaltet also die Stärkung der dritten Säule, dem Aufbau einer eigenen privaten Rente, mittels eines Depots für Unternehmensbeteiligungen.

Das Depot selbst und die Anlagenprodukte darin sollten aus meiner Sicht einige Kriterien erfüllen:

geringes Risiko des Herausgebers (Emittentenrisiko)

Sowohl das Unternehmen bei dem das Depot eröffnet wird als auch der Herausgeber der Anlagenklasse (Fonds, ETF) bzw. das Unternehmen selbst sollten solide sein.

geringe interne Kosten (TER)

Verschiedene Anbieter von Konten und Depots haben verschieden Kosten und Gebühren. Wer regelmäßig handelt sollte auf geringe Ordergebühren achten. Viele Direkt- und Onlinebanken bieten geringe oder keine Kontenführungsgebühren.
Auch bei den verschiedenen Anlagenklassen gilt es auf interne Kosten zu achten. Speziell von Managern geführte Aktienfonds haben hohe interne Kosten (TER) obwohl sie nur selten in der Lage sind den Markt (Index) zu schlagen. Hier bevorzuge ich eindeutig die ETF (Fond der einen gesamten Index Bsp. DOW oder DAX nachbildet).

Streuung (Diversifikation)

Einzelne Unternehmen können pleite gehen. Der beste Schutz für das eigene Vermögen ist es breit zu streuen. Weltweit verschiedene Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Beispiele dafür gibt es bei Aktienfonds und ETF‘s.

Inflationsschutz

Wie schon im Abschnitt Die Unternehmensbeteiligung aufgeführt, ist der beste Inflationsschutz ein solides Unternehmen, welches mit dem Markt wächst. Was ich für mich hier ausschließe sind festverzinsliche Anleihen von Unternehmen sowie Staatsanleihen. Wie der Name verrät ist der Zins festgeschrieben. Schlecht, wenn die Inflation höher ist.

regelmäßige Auszahlung (Dividenden)

Jetzt wird es interessant. Stellen sie sich vor, sie erwerben Anteilsscheine eines Dividenden ausschüttenden Unternehmens.

Mit jeder Dividendenausschüttung reduziert sich der interne Kaufwert ihres Anteilscheins. Damit steigert sich regelmäßig die Rendite des Depots.

Der Mehrwert ist jetzt die Dividende wieder zu reinvestieren. Mit jedem weiteren Anteilsschein steigt die Dividendenausschüttung (der Zinseszinseffekt).

Zusammenfassend bringt mich das zum Entschluss: Kaufen und liegen lassen.

Das Ergebnis meiner Kriterien:

ein regelmäßig ausschüttender, weltweit über alle Branchen streuender Dividenden-ETF.

Vorteile:

  • ein Index in dem mehrere Unternehmen verschiedener Branchen und Regionen zusammengefasst sind → Diversifikation = geringes Ausfallrisiko.
  • geringe interne Kosten → kein teurer Fond-Manager zu bezahlen.
  • Ausschüttend: falls mal Geld gebraucht wird (im Ruhestand) oder um das Investieren zu optimieren (siehe 6. Punkt).

Nachteile:

  • geringes Risiko bedingt auch das Fehlen von risikoreichen Chancen
  • Es besteht je nach Herausgeber des ETF das Risiko, dass dieser wirtschaftliche Probleme bekommt.
  • Marktschwankungen (Crash) mit fallenden Kursen → da es eine langfristige Anlage im Sinne einer privaten Rente mit Ausschüttungen werden soll ist dies ein geringer Nachteil. In der Ansparphase des Depots (bis zum Renteneintritt) sind günstig eingekaufte ETF-Anteile eher wünschenswert.

Die Strategie im Detail:

1. Einnahmen und Ausgaben optimieren

Siehe im Abschnitt "Ausgaben und Einnahmen (zum schnelleren Vermögensaufbau)".

2. Rücklage ansparen

Siehe den Begriff Rücklage im Abschnitt "Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel Geld (schnell verfügbare Rücklage)"

3. Das Depot eröffnen (der Einstieg)

Investieren in einen ausschüttenden, welt- und branchenweit gestreuten Dividenden-ETF.

4. ETF-Sparplan (monatlicher Vermögensaufbau)

Die monatlichen Überschüsse, oberhalb einer schnell verfügbaren Rücklage, mittels ETF-Sparplan investieren.

5. Steigerung der Rendite (Dividenden reinvestieren)

Die quartalsweise oder jährlich ausgeschüttete Dividende mit dem ETF-Sparplan im Folgemonat wieder reinvestieren.

Die Königsdisziplin:

6. Die Optimierung des ETF-Sparplans (in den Phasen der Konjunktur)

Die vorgestellte Strategie bietet die Möglichkeit monatliche Überschüsse einfach in den ETF zu investieren und im Ruhestand von der Dividende und/oder dem Verkauf (Bsp.: mittels monatlichem Auszahlplan) zu profitieren.

Jetzt ist der Aktienmarkt ein Phänomen welches starken Schwankungen unterworfen ist. Sei es durch die Konjunkturphasen (Rezession, Depression, Aufschwung, Boom), durch Marktpsychologie (Über- und Untertreibungen sowie Wetten) oder durch unvorhergesehene Ereignisse (9/11, Lehman-Brothers, Corona).

Statt den Sparplan laufen zu lassen (wenig Aufwand und ruhig zu schlafen) besteht hier die Möglichkeit zur Optimierung.

Zuerst noch ein wichtiger Hinweis:
Niemand kann die Entwicklung des Aktienmarktes Vorhersagen!
Es gibt gewisse Wahrscheinlichkeiten für unterschiedliche Ereignisse. Wenn man nur lang genug wartet, dann tritt das Ereignis ein. Einfach gesprochen jeder Börsenguru/Finanzexperte hat irgendwann mal Recht.
Was heißt das für mich? Ich werde nie den perfekten Kauf- und Verkaufskurs treffen. Aus dem Grund bevorzuge ich die Idee dieser Strategie.
Kaufen und liegen lassen.
Ich bin sicher, dass rückblickend (im Ruhestand) jeder Kurs ein Kaufkurs war.

Der Abschwung (Rezession)

Die Rezession (Abschwung), die Konsolidierung der Wirtschaft. Unrentable Unternehmen gehen insolvent.

  • Wie hoch sind die monatlichen Order-Gebühren des ETF-Sparplans? In dieser Phase kann man Ordergebühren sparen. Aussetzen des Sparplans und mit einer einmaligen jährlichen Kauforder investieren.
  • Ein Jahr fallende Kurse bietet die Möglichkeit am Ende deutlich mehr Anteile zu erwerben.
  • Das gleiche gilt für die Dividendenausschüttung. Abwarten und mit der einmaligen jährlichen Kauforder reinvestieren.

Depression

Die Depression. Der niedrigste Punkt.

  • Hier gibt es für mich nur zwei Punkte – es zu erkennen, unmöglich.
  • Das Depot ist zu 100% in den Dividenden-ETF investiert
  • Der Wechsel zurück zum monatliche ETF-Sparplan wünschenswert. Der richtige Zeitpunkt aber reine Spekulation.

Der Aufschwung (Expansion)

Nach jeder Rezession/Depression kommt die Expansion (Aufschwung). Sei es durch den Markt der sich erholt, neue Technologien oder politische Maßnahmen.
In dieser Phase sprießen neue Unternehmen aus dem Boden, die Wirtschaft wächst.

  • Jetzt heißt es für mich voll Investiert zu sein und mit einem monatlichen ETF-Sparplan die Anteile erhöhen.
  • 5-10% vor dem Allzeithoch der Aktienmärkte kann man jetzt den ETF-Sparplan reduzieren. Statt mit dem Depot 100% investiert zu sein kann man jetzt beginnen zusätzlich etwas Cash im Depot zu halten.
  • Dadurch bietet sich die Möglichkeit bei Marktrücksetzern mehr Anteile des Dividenden-ETF mit einer Kauforder oder einer höheren Rate im ETF-Sparplan zu erwerben.

Boom

Der Boom. Wie auch bei der Depression gilt – es zu erkennen, unmöglich.

Wann ist er erreicht, geht die Expansion weiter, wann beginnt der Abschwung?

Wie schon erwähnt. Das weiß man erst hinterher. Damit erübrigt sich für mich die Idee: Einen Teil der Dividenden-ETF zu verkaufen um möglicherweise, nach einem Crash, mit deutlich günstigeren Kaufkursen mehr Anteile zu erwerben.

Kaufen und liegen lassen.

7. Absicherung des Depots (von der Psychologie des Marktes profitieren)

Und Abschließend die Erweiterung meiner Strategie um die Absicherung des Depots. Und damit eine Möglichkeit, die Anteile des Dividenden-ETF zu steigern.

Das Ausnutzen der Marktpsychologie. Im Volatilen Marktumfeld oder bei unvorhergesehenen Ereignissen werden die Marktteilnehmer nervös. Neben den Sorgen vor sinkenden Aktienkursen, auch befeuert durch Beiträge von Finanzexperten, kommt die Sorge um die Entwertung des Geldes. In diesen Zeiten haben alternative Anlagemöglichkeiten Hochkonjunktur. Um das für mich wichtigste zu nennen: der Sachwert Gold.

Physisches Gold ist für mich wenig geeignet da es zu kompliziert ist (Safe, Schließfach). Und die Papiervarianten (Gold-ETF) zu spekulativ. Siehe Abschnitt "Sachwert (zum Vermögenserhalt und Vermögensaufbau)" .

Eine Unternehmensbeteiligung an Goldminen lässt sich dagegen gut nutzen.
Ein ETF auf einen Index mit Goldminenunternehmen. Es gibt mindestens einen Index bei denen die Minenbetreiber ihr Gold maximal 1,5 Jahre vor verkaufen. Ein Goldminen-ETF mit diesem Index profitiert am schnellsten von steigenden Goldpreisen.

Strategie im Detail:

Zum Anfang der Konjunkturphase Aufschwung (Expansion) wechseln Marktteilnehmer von der Absicherung ihres Depots mit Gold hin zu riskanteren Unternehmensbeteiligungen. In dieser Phase steigen die Aktienkurse während der Goldpreis anfangs stark sinkt. Damit sinken auch die Aktienkurse der Goldbranche. Jetzt gilt es zu beobachten, wann das sinken des Goldpreis sich verlangsamt.

  • In dieser Phase bietet es sich nun an neben dem Dividenden-ETF einen Goldminen-ETF mit ins Depot zu nehmen.
  • Es gilt sich zu überlegen wie hoch der Anteil des Goldminen-ETF im Bezug zum Dividenden-ETF werden darf.

Im Laufe des Aufschwungs (Expansion) wird auch die Sorge der Marktteilnehmer wieder zunehmen. Der Aktienmarkt wird volatiler und durch vermehrte Absicherung der Depots wird der Goldpreis wieder steigen.

  • Jetzt ist es an der Zeit, in regelmäßigen Abständen den Quotient (Spread) der beiden ETF zu beobachten. Goldminen-ETF dividiert durch den Kurswert des Dividenden-ETF.
  • Je höher der Quotient steigt umso mehr Dividenden-ETF können sie am Ende für ihre verkauften Anteile des Goldminen-ETF erwerben.

Während der Markt volatiler wird oder in die Phase Abschwung (Rezession) übergeht, wird der Kurswert des Dividenden-ETF sinken. Gleichzeitig steigt der Goldpreis und damit der Goldminen-ETF. Der Quotient aus den beiden ETF wird größer. Wann sollen die Anteile des Goldminen-ETF in den Dividenden-ETF umgeschichtet werden? Der Ausstiegspunkt ist dabei recht einfach zu finden.

  • Ich bevorzuge einen Stop-Loss für meinen Quotienten festzulegen (zum Beispiel bei –15%).
  • Sinkt der Kurswert des Goldminen-ETF und der Dividenden-ETF steigt wird der Quotient den Stop-Loss erreichen. Das ist dann der Zeitpunkt zum Umschichten in den Dividenden-ETF.
  • Der Vorteil des Quotienten mit seinem Stop-Loss ist, dass er unabhängig der Marktsituation funktioniert. Es kann ja auch sein, dass beide ETF im Kurswert sinken oder steigen.

Das Ergebnis ist, dass durch die Erweiterung Strategie mit dem Gold-ETF letzten Endes mehr Anteile des Dividenden-ETF erworben werden können.

Geschafft. Sie haben das Ende meines Beitrages erreicht. Dafür schon einmal vielen Dank.

Ich hoffe, dass ich Ihnen damit ein paar nützliche Tipps und Anregungen geben konnte.

Für Fragen und/oder konstruktive Kritik können Sie mir gerne, über das Kontaktformular meiner Webseite, eine Nachricht hinterlassen.

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